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SAPV – verständlich erklärt

Schon wieder ein neuer Begriff, werden Sie vielleicht, leicht aufseufzend, denken – und Sie haben recht damit.


Bei den Berlinern hatte sich inzwischen mancherorts der Begriff „home care“ herumgesprochen, der die leidenslindernde (palliative) Betreuung von Schwerkranken und sterbenden (Berliner) Krebspatienten zu Hause beinhaltete und dieses ominöse „SAPV“ kann man tatsächlich als die Fortführung dieser Arbeit verstehen, natürlich unter veränderten Bedingungen und Strukturen.


Es gibt selbstverständlich auch eine theoretisch fundierte „Übersetzung“ dieser 4 Buchstaben, aber an dieser Stelle will ich einmal versuchen, Ihnen den Inhalt anders nahezubringen.

 

S soll für Selbstbestimmung stehen.

 

Die Patienten, und es handelt sich jetzt nicht mehr ausschließlich um Krebspatienten, sondern um alle diejenigen, die deutlich am Ende ihres Lebens angekommen sind und deren zu erwartende Lebenszeit sich auf einige Monate, Wochen oder Tage begrenzt. In dieser Zeit ist es für die allermeisten Menschen sehr wichtig, daß genau das geschieht, was sie selbst für wichtig erachten. Die größten Ängste bestehen oft darin, daß sie sich dem medizinischen System ausgeliefert fühlen und auch die mancherorts inzwischen vorliegenden Patientenverfügungen und Vorausbestimmungen geben oft nicht die erwünschte Sicherheit („Wird das, was ich bestimmt habe, auch wirklich eingehalten werden?“). Das bedeutet für die Betreuenden, daß sie sich mit den Vorstellungen und Wünschen des Kranken zunächst einmal vertraut machen und Gelegenheit zum Gedankenaustausch darüber suchen (immer vorausgesetzt, daß auch der Wunsch besteht, über die Situation zu sprechen – dies ist nicht immer selbstverständlich). Nur so kann man in einem „Schritt-für-Schritt-Prozeß“ herausfinden, was wirklich not-wendig, also die Not in Richtung Linderung wendend getan werden muß (oder eben auch zu lassen ist).

 

A bedeutet Achtsamkeit und Akzeptanz

 

Gegenseitiger Respekt und Einfühlungsvermögen, sowohl in die Situation des Betroffenen als auch die seines persönlichen Umfeldes, seine Lebensgeschichte, Gewohnheiten, Vorlieben und Träume usw. sollen im Begleitungsprozeß, der auf einer kompetenten fachlichen (medizinischen) Arbeit basiert, wichtige Gestaltungsfaktoren sein. Voraussetzung dafür ist, daß die beteiligten Personen sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen lernen, das auch die Anerkennung (Akzeptanz) dessen, was geschieht beinhaltet. Das ist wahrscheinlich das schwierigste – zu akzeptieren, daß das Lebensende herannaht. Auch für uns als Begleiter ist diese Aufgabe nicht leicht und es bedeutet, daß wir achtsam mit uns selbst umgehen müssen, denn nur so kann man diesen Begleitungsprozeß auf Dauer gut umsetzen.

 

P steht für partnerschaftlich.

 

Alles, was wir gemeinsam tun wollen, soll einverständlich geschehen. Das bedeutet, daß die Kranken, aber auch mittelbar ihre Bezugspersonen verstehen sollen, welche Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten bestehen. Oftmals ist es das fehlende Wissen über die Krankheit und ihren Verlauf am Lebensende in Kombination mit der gefühlsmäßigen Aufgewühltheit (die SAPV – verständlich erklärt sich auch als eine Art Starre anfühlen kann), die das Festhalten am „Strohhalm“ trügerische Hoffnung hervorruft. Sterben ist bekanntlich ein – gefühlsmäßig - schwerer und in Bezug auf seine Gestaltbarkeit schwieriger Prozeß. Die Erfahrung mit dieser Arbeit zeigt jedoch daß es möglich ist, viel Leid zu lindern und diesen Lebensabschnitt sinnvermittelnd zu gestalten.

 

V steht für ein großes Wort: Vollendung.


Unser aller Leben bewegt sich von der Minute seiner Entstehung auf das Sterben und damit letztlich auf seine Vollendung im Tod zu. Wie dies geschieht ist jedes Menschen eigener Weg. Es kann einem keiner auf diesem Weg etwas abnehmen, aber es ist immer hilfreich, kundige und mitfühlende Menschen an seiner Seite zu wissen, die auch in der größten Not verläßliche Partner und Begleiter sind, jeder nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Leid wird dadurch nicht ungeschehen, Abschiedsschmerz nicht vermieden aber fast immer gelindert erträglich. Und auch wenn wir auf die Frage nach dem Wohin? keine letztgültige Antwort finden können, so ist in sehr vielen Fällen zu beobachten, daß Betroffene und die Begleiter zur Ruhe kommen können und das Abschiednehmen-Müssen seinen ganz großen Schrecken verliert. So kann sich ein Menschenleben - auch einverständlich – vollenden.


P.S.: SAPV heißt Spezialisierte Ambulante PalliatiVersorgung, aber dieser spröde verwaltungstechnische Begriff sagt – finde ich - wenig über die Art und Weise aus, wie die Arbeit konzipiert ist und in der Wirklichkeit umgesetzt werden soll.

 

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